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Barrierefrei wohnen: Checkliste für ein altersgerechtes Zuhause

Barrierefrei wohnen: Checkliste fürs Zuhause

Wer „barrierefrei wohnen Checkliste“ in eine Suchmaschine eingibt, findet vor allem Normtabellen für Neubauten. Die helfen wenig, wenn Sie in einem Haus aus den 1970er-Jahren leben und wissen möchten, was jetzt sinnvoll ist. Dieser Ratgeber geht deshalb anders vor: Er führt Sie Raum für Raum durch Ihr Zuhause und zeigt, wo die typischen Hürden liegen und wie sie sich beseitigen lassen.

Denn die Wohnung, die mit 50 bequem war, wird mit 80 zur Herausforderung: die Stufe am Hauseingang, die schmale Badtür, die Treppe ins Schlafzimmer. Die gute Nachricht: Die meisten Hürden lassen sich mit überschaubarem Aufwand entschärfen, und für vieles gibt es Zuschüsse.

Warum barrierefrei wohnen in Deutschland die Ausnahme ist

Das Statistische Bundesamt hat im Mikrozensus 2018 erstmals erhoben, wie barrierearm die Wohnungen in Deutschland sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur 2 % aller Wohnungen erfüllten alle Merkmale einer barrierearmen Wohnung, also stufenloser Zugang, ausreichend breite Türen und Flure, genügend Platz in Küche und Bad, ein ebenerdiger Duscheinstieg und keine Schwellen innerhalb der Wohnung. Einen barrierearmen Zugang, also stufenlos mit breiten Türen und Fluren, hatten 10 % der Wohnungen. Und 85 % aller Seniorenhaushalte hatten keinen stufenlosen Zugang zur Wohnung (Quelle: Statistisches Bundesamt, Zahl der Woche 2019).

Das Baujahr macht einen großen Unterschied: Bei Gebäuden ab 2011 hatten 44 % einen barrierearmen Zugang, bei Gebäuden bis 1948 nur 5 %. Wer in einem älteren Haus lebt, wohnt also fast nie barrierearm, und genau das trifft auf die meisten älteren Menschen zu. Der Deutsche Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen ergänzt: Nur 31 % der Menschen mit Mobilitätsproblemen wohnen stufenlos erreichbar.

Auch die Lücke im Bestand ist beziffert: Das Pestel-Institut schätzte 2023, dass in Deutschland rund 2,2 Millionen altersgerechte Wohnungen fehlen; bis 2040 werden nach dieser Studie 3,3 Millionen benötigt. Auf einen Umzug in eine passende Wohnung zu warten, ist für viele deshalb keine realistische Option. Der Umbau des eigenen Zuhauses ist es meist schon.

Infografik: 2 Prozent barrierearme Wohnungen, 10 Prozent barrierearmer Zugang, 85 Prozent Seniorenhaushalte ohne stufenlosen Zugang, 2,2 Millionen fehlende altersgerechte Wohnungen
Barrierearmut im deutschen Wohnungsbestand. Quelle: Statistisches Bundesamt (Mikrozensus 2018), Pestel-Institut (2023).

Barrierefrei, barrierearm, altersgerecht: Was die Begriffe bedeuten

„Barrierefrei“ ist ein Begriff mit Norm. Die DIN 18040-2 legt fest, was eine barrierefreie Wohnung ausmacht, und unterscheidet zwei Stufen: die barrierefreie Wohnung und die uneingeschränkt rollstuhlgerechte Wohnung (R-Standard). Ein paar Kernmaße laut Landesfachstelle für Barrierefreiheit Sachsen-Anhalt:

  • Türen: 80 cm lichte Durchgangsbreite (barrierefrei) bzw. 90 cm (rollstuhlgerecht)
  • Flure: 120 cm breit (barrierefrei) bzw. 150 cm (rollstuhlgerecht)
  • Bewegungsflächen vor Waschbecken, WC und Dusche: 120 × 120 cm bzw. 150 × 150 cm

Diese Werte sind für Neubauten gedacht. Im Bestand werden Sie sie selten vollständig erreichen, und das ist auch nicht nötig. Für den Alltag zählt, dass Sie sich sicher und ohne fremde Hilfe in Ihrer Wohnung bewegen können. Dafür hat sich der Begriff „barrierearm“ oder „altersgerecht“ eingebürgert: so viele Hürden wie möglich beseitigen, ohne das Haus neu zu bauen. Genau darauf zielt die folgende Checkliste.

Barrierefrei wohnen Checkliste: Raum für Raum durchgehen

Nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit und gehen Sie mit dieser Liste durch Ihre Wohnung. Am besten zu zweit: Wer täglich dort lebt, übersieht die eigenen Gewohnheiten. Angehörige sehen oft klarer, wo es hakt.

BereichPrüfen SieTypische Lösung
HauseingangStufen vor der Tür? Guter Halt bei Nässe? Beleuchtung mit Bewegungsmelder? Klingel und Briefkasten erreichbar?Rampe oder zweiter Handlauf, rutschfester Belag, bei mehreren Stufen ein Außen-Treppenlift
Flur und TürenTürbreite unter 80 cm? Schwellen? Läufer, die verrutschen? Lichtschalter am Anfang und Ende des Flurs?Schwellen entfernen, Läufer rutschfest fixieren, Türbänder versetzen, Wechselschalter nachrüsten
TreppeHandlauf auf beiden Seiten? Stufenkanten sichtbar? Ausreichend Licht? Schwindel oder Atemnot beim Steigen?Zweiter Handlauf, Kantenmarkierung, hellere Leuchten, bei Kraft- oder Gleichgewichtsproblemen ein Treppenlift
BadEinstieg in Wanne oder Dusche mit hohem Rand? Haltegriffe? WC-Höhe? Rutschfester Boden?Bodengleiche Dusche, Haltegriffe an Wand und WC, Duschsitz, erhöhter WC-Sitz, Antirutschmatte
KücheHäufig genutzte Dinge in Kopfhöhe oder bodennah? Herd mit Abschaltautomatik? Arbeitsplatz im Sitzen möglich?Umräumen in Griffhöhe, Herdwächter, Auszüge statt tiefer Schränke, Sitzgelegenheit
SchlafzimmerBetthöhe zum sicheren Aufstehen? Licht vom Bett aus schaltbar? Freier Weg zum Bad in der Nacht?Bett erhöhen, Nachtlicht mit Bewegungsmelder, Möbel aus dem Weg räumen
WohnzimmerSessel tief und weich? Kabel und Teppichkanten im Weg? Fenster und Rollläden ohne Kraftaufwand bedienbar?Sessel mit Aufstehhilfe, Kabelkanäle, elektrische Rollläden
AllgemeinNotruf erreichbar? Rauchmelder? Telefon mit großen Tasten? Wer hat einen Schlüssel für den Notfall?Hausnotruf, Schlüssel bei Vertrauensperson hinterlegen

Die Liste ist bewusst praktisch gehalten. Nicht jeder Punkt muss sofort gelöst werden. Markieren Sie, was heute schon stört, und was in fünf Jahren zum Problem werden könnte. Weitere Hinweise zur Sicherheit im Haushalt finden Sie in unserem Beitrag zur Sturzprophylaxe zu Hause.

Die Treppe: der Engpass in fast jedem Haus

Bei den meisten Ein- und Zweifamilienhäusern führt kein Weg an der Treppe vorbei: Schlafzimmer und Bad liegen oben, Küche und Wohnzimmer unten. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts stürzt fast jede vierte Person ab 65 Jahren mindestens einmal im Jahr (23,8 %), bei den über 80-Jährigen ist es jede dritte (33,5 %, GEDA 2022). Eine Treppe, die täglich mehrfach bewältigt werden muss, gehört deshalb ganz oben auf die Liste.

Die einfachen Maßnahmen zuerst: ein zweiter Handlauf, gut sichtbare Stufenkanten, helles Licht und keine losen Läufer. Reicht das nicht mehr, weil die Kraft nachlässt oder das Gleichgewicht unsicher wird, ist ein Sitz-Treppenlift die Lösung, die ohne großen Umbau auskommt. Für gerade Treppen eignet sich ein schlankes Modell wie der Slim Line Pro, für kurvige Treppen werden die Schienen individuell gefertigt. Auch bei schmalen Treppen ist häufig mehr möglich, als viele vermuten, wie unser Beitrag zum Treppenlift für schmale Treppen zeigt. Die Treppe selbst bleibt dabei für alle anderen im Haus nutzbar, der Lift wird zusammengeklappt geparkt.

Womit anfangen? Reihenfolge und Förderung

Eine bewährte Reihenfolge: Erst die Sturzrisiken, dann der Komfort. Treppe und Bad sind die Orte, an denen Unfälle die schwersten Folgen haben. Kleine Dinge wie Nachtlichter, Haltegriffe und rutschfeste Beläge lassen sich sofort und günstig umsetzen. Größere Maßnahmen wie Treppenlift oder bodengleiche Dusche sollten Sie planen, bevor sie dringend werden. Dann bleibt Zeit für Angebote, Anträge und Terminwahl.

Bei der Finanzierung ist die Pflegekasse der wichtigste Baustein. Liegt ein Pflegegrad vor (1 bis 5), bezuschusst sie wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI mit bis zu 4.180 € je Maßnahme; leben mehrere Pflegebedürftige in einer Wohnung, sind es bis zu 16.720 €. Wichtig zu wissen: Alle Umbauten, die zum selben Zeitpunkt nötig sind, gelten laut Gemeinsamem Rundschreiben des GKV-Spitzenverbandes als eine Maßnahme. Treppenlift und Dusche gleichzeitig teilen sich also einen Zuschuss. Ändert sich die Pflegesituation später, kann ein weiterer Zuschuss beantragt werden. Der Antrag muss in jedem Fall vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.

Die KfW legt den Investitionszuschuss „Altersgerecht Umbauen“ (455-B) jährlich mit begrenzten Bundesmitteln auf. Die Antragsfenster sind kurz, und der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme gestellt werden; den aktuellen Status prüfen Sie am besten direkt auf kfw.de. Verbleibende Kosten können unter Umständen steuerlich geltend gemacht werden. Alle Förderwege haben wir im Beitrag Treppenlift-Zuschuss 2026 zusammengefasst.

Häufige Fragen zur Checkliste für barrierefreies Wohnen

Muss meine Wohnung die DIN 18040-2 erfüllen, um Zuschüsse zu bekommen?

Nein. Die Pflegekasse fördert Maßnahmen, die die häusliche Pflege ermöglichen oder erleichtern oder die selbstständige Lebensführung wiederherstellen. Entscheidend ist der individuelle Bedarf, nicht die Einhaltung einer Norm. Ein Treppenlift oder ein Haltegriff wird auch dann bezuschusst, wenn der Flur schmaler als 120 cm bleibt.

Ich habe keinen Pflegegrad. Lohnt sich die Checkliste trotzdem?

Gerade dann. Viele Maßnahmen aus der Liste kosten wenig und lassen sich ohne Antrag umsetzen. Und wenn die Mobilität nachlässt, ist ein Pflegegrad 1 oft schneller erreicht, als viele denken. Wie der Antrag abläuft, erklären wir Schritt für Schritt in unserem Ratgeber zum Pflegegrad-Antrag.

Was ist wichtiger: Bad oder Treppe?

Das hängt vom Grundriss ab. Liegt das einzige Bad im Obergeschoss, ist die Treppe der Schlüssel, denn ohne sicheren Weg nach oben nützt das schönste Bad nichts. Liegen Bad und Schlafzimmer ebenerdig, hat das Bad Vorrang. Bei einer Erstberatung vor Ort lässt sich das in wenigen Minuten klären.

Kann ich als Mieter überhaupt umbauen?

Ja. Seit Dezember 2020 haben Mieter nach § 554 BGB einen Anspruch darauf, dass der Vermieter bauliche Veränderungen für einen barrierefreien Gebrauch erlaubt, sofern sie ihm zumutbar sind. Details dazu lesen Sie im Beitrag Treppenlift in der Mietwohnung.

Fazit

Nur 2 % der Wohnungen in Deutschland sind barrierearm, und 85 % der Seniorenhaushalte haben nicht einmal einen stufenlosen Zugang. Wer im Alter zu Hause bleiben möchte, sollte deshalb nicht auf die perfekte Wohnung warten, sondern die eigene Schritt für Schritt anpassen. Die Checkliste zeigt, wo Sie hinschauen sollten. Beginnen Sie bei den Sturzrisiken, also Treppe und Bad, und nutzen Sie die Zuschüsse der Pflegekasse, bevor die Arbeiten beginnen.

Wenn die Treppe der Engpass in Ihrem Zuhause ist, verschafft Ihnen unser Treppenlift-Preisrechner in wenigen Minuten eine erste Orientierung. Bei einer kostenlosen und unverbindlichen Erstberatung vor Ort prüfen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Lösung zu Ihrer Treppe passt und welche Förderung Ihnen zusteht. Rufen Sie uns an unter 02852 5382570, wir sind rund um die Uhr für Sie erreichbar.

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